Immunsystem

Ich stelle mir einen Menschen gerne als ein größeres Dorf oder eine kleinere Stadt vor.
Damit dieses Gemeinwesen gedeiht, ist das Zusammenwirken von vielen Einwohnern in einer gemeinsamen Struktur notwendig. Den Einwohnern geht es gut, wenn es der Gemeinschaft gut geht und umgekehrt.
Dieses größeres Dorf oder kleinere Stadt als INNEN ist nicht isoliert, sondern tauscht sich mit dem AUßEN anstrebenswerterweise aus zum größtmöglichen Vorteil beider Seiten.
Ohne Austausch mit dem Außen verkümmert das Innen und kann nicht Wachsen und Gedeihen.
Das Immunsystem kümmert sich um das Verhältnis zwischen Innen und Außen.
Es ist nicht nur Wächter, sondern auch Bewerter und Gestalter des Umgangs mit dem Außen.
In meiner Vorstellung findet ein idealer Erstkontakt mit dem von außen Kommenden nicht in der Stadt statt, sondern bereits weit außerhalb im Vorfeld der Stadt. Da die Stadt von einem ständigen Kontakt mit Neuankömmlingen ausgeht, befindet sich vor der Stadt eine Einrichtung zur Begrüßung der Ankommenden. So können sich beide Seiten beschnuppern. Beide Seiten haben ja auch ein Sicherheitsanliegen. Nicht nur die Stadt möchte sich ja schützen, der Ankommende hat selber ein Schutzbedürfnis für den Fall, daß ihm von den Stadtbewohnern etwas angetan wird.
Die Begrüßung des Außen kann in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden, in gegenseitigem Respekt. Von Seiten der Stadt ist es sinnvoll einen mehrsprachigen lebensgewandten Einwohner einzusetzen, der gerne mit dem Unbekannten umgeht.
Der Neuankommende kann ein Wanderer sein, der viel Unbekanntes zu erzählen hat von Gebieten, in die kein Einwohner der Stadt jemals kommen wird. Er kann ein Händler sein, der notwendige Waren tauschen möchte. Er kann ein Bote sein mit Nachrichten von anderen Siedlungen – bekannten und unbekannten. Er kann ein Heilkundiger sein …

Nachdem sich beide Seiten miteinander ausgetauscht haben und ein gegenseitiges Vertrauen entstanden ist, kann erwogen werden, ob ein Besuch in der Stadt sinnvoll ist
oder der Besucher weiterzieht. Manchmal möchte der Neuankömmling Teil der Gemeinschaft werden und manchmal möchte auch die Stadt, daß der Neuankömmling Bewohner wird, um dessen Befähigungen und Kenntnisse zu nutzen.
Dieses Vorgehen ist friedlich.

Gibt es dieses friedliche Vorfeld einer Stadt nicht, ist zu beobachten, daß sich die Stadt mit Mauern umgeben hat, die mit Verteidigungsanlagen bestückt sind und von militärischem Personal bewacht wird. Der Ankommende bemerkt diese Vorgehensweise dem Außen gegenüber und wird sich zugleich wappnen, sich für den Fall eines Angriffs wehrbar machen, um sich zu schützen. Dieses fällt wiederum den Verteidigern der Stadt auf und sie vermuten, ein Angriff auf die Stadt steht bevor usw.
Die Einwohner vermuten grundsätzlich, der Neuankömmling sei feindlich gesinnt, ihm sei zu mißtrauen und sie müssen sich schützen. Dieses Vorgehen bedeutet immer Krieg. Dieser Stadt entgehen die Vorteile des friedlichen Austauschs, da friedliche Neuankömmlinge durchaus einfach weiterziehen.
Wer hat denn schon Lust auf solche Auseinandersetzungen …

Manche Städte, die ich besuche, weisen bereits kriegerische Handlungen auf.
Sie sind mehr oder weniger zerstört. Einzelne Bereiche können noch von den Einwohnern kontrolliert werden, andere von den Eindringlingen. Ein Gedeihen der Stadt ist nicht mehr möglich oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen, die viel Geduld erfordern.

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